Sommeressay des Ersten Bürgermeisters

Klimaziele einer Kommune? Gibt es das?

Jüngst konnte man in der bayerischen Staatszeitung auf der Titelseite lesen: „Ökologischer Hilferuf“ anlässlich der Beschlüsse mancher Kommunen das Klima im kommunalen Handeln besser zu verankern. Mit dem Hintergrund des Begriffes Klimanotstand, der in manchen Kommunen ausgerufen wird, muss man sich als Verantwortlicher im eigenen Bereich durchaus befassen. Man kann sich kritisch im Spiegel betrachten und prüfen, ob man sich an die Nase fassen muss oder ob man sich entspannt zurücklehnen kann. Bei einem Blick in die Spiegel tut einem immer - egal mit wieviel Selbstbewusstsein man ausgestattet ist - das an die Nase fassen gut! Und das ist gut so und das zeigt auch, dass man verantwortlich mit einem solchen Amt umgeht. Wie man versucht das Rathaus und die Kommune nachhaltig nach vorne zu bringen ist vielschichtig und dauert auch unterschiedlich lange. Daher muss man sich bei jeder Maßnahme überlegen: Was könnte sein? Was ist in Zukunft ökologisch und auch trotzdem ökonomisch wichtig und richtig für Schnaittach? Ist es der Verzicht auf Schlegelmähen und das vermehrte Einführen von Balkensensen machbar? Vielleicht über die Vergabe an landwirtschaftliche Betriebe? Das könnte manchen Grünstreifen davor schützen, dass man bei jeder Mahd nicht alles an Leben zerstört indem man mit dem Schlegel- oder Mulchmäher drüber fährt. Oder das Beschaffen von CO2 neutralen Materialien - egal ob im Verwaltungssektor als auch im Bereich kommunaler Bauwirtschaft. Ist ein Bleistift wieder in Mode, weil Co2 Bilanz besser?

Wilde Natur im Heilloh

Wilde Natur im Heilloh, ein Fliegenpilz am Wegesrand, giftig schön und unberührt

Vorerst wäre es wichtig das Thema Klimanotstand und die derzeitig geführte Diskussion einmal genauer zu betrachten und wieder zu versachlichen. Hysterie hilft weder in Politik noch im allgemeinen Handeln zur Erreichung irgendwelcher Ziele – ein Jeder arbeitet unter Stress nicht mehr sauber! Es ist nicht der Klimanotstand, der hilft und auch nicht der Beschluss darüber!

Das was dahinter stehen sollte, nämlich die Entscheidung nachhaltig, zukunftsorientiert nicht nur nach wirtschaftlichen Maßstäben zu agieren ist eine grundsätzliche Haltung, welche in kommunalen Denken schon lange verwurzelt ist. So spricht auch die bayerische Staatszeitung von Begriffen wie Klimaoffensive als sinnvolle Überschrift (Titelseite Ausgabe vom 30.08.2019). Und der bayerische Gemeindetagspräsident erkennt an, dass diese Haltung in den Verwaltungen schon weit verwurzelt ist. Dass das Thema Nachhaltigkeit schon seit langem eingezogen sieht man an dem Wortspeil zum Thema Ressourcen und Haushalten - das Wortspiel nachhaltig haushalten ist ein kommunales Grundziel – wir haushalten schon immer mit begrenzten Ressourcen. Mal ist das Geld begrenzt, mal die Fläche. Der Begriff allein kommt ja vom Haushalt, den eine Kommune aufstellt um zu gestalten, was möglich ist. Daher müssen wir sicherlich mit gegensteuern und alte liebgewonnen Möglichkeiten beiseitelassen, aber ziehen wir ein wenig Bilanz, was haben wir schon auf der Guthabenseite?

So ist auch der Markt Schnaittach seit längerem an vielen Themen dran geblieben und hat umgesetzt. Viele kleinere und größere Dinge, die manchmal vielleicht sogar schleichend und unbemerkt vom Bürger im Sinne eines umweltgerechten Handelns beschlossen wurden. So ist die LED Beleuchtung der Straßen mit insektenfreundlichen Lichtfrequenzen und Energiesparsamkeit zu nennen. Der Einbau von neuen Fenstern im Mittelschulgebäude und der Verzicht auf die Außendämmung, aufgrund der guten bestehenden Dämmwerte. Hier wird einiges an Material eingespart, welches notwendig gewesen wäre. Dafür beschloss man die Erneuerung der Heizungssteuerung, welche dadurch CO2 und Energie einspart. Dies sind Ergebnisse der KemSYS Studie – einer Betrachtung kommunales Energiemanagement im Rahmen der Der CO“ Einsparung – und seit 2016 im Rat ein Thema. Weitere Beispiele sind die neue Turnhalle der Grundschule, welche so wenig Energie benötigt, dass sich ein Blockheizkraftwerk gar nicht rechnet – auch wenn Nahwärmenetze auch ein wichtiger Gedanke der Zukunft sein werden (im Rahmen dezentraler Versorgung mit Wärme und Energie). Da mit der neuesten Lüftungstechnik maximal noch Strom verbraucht wird, den man über Photovoltaik produzieren könnte, sollte man da ansetzen. So wie Thema Photovoltaik den Markt seit längerem beschäftigt: Ziel muss es sein das Rathaus über Photovoltaik deutlich energieautarker zu gestalten. Auch hier liefen erste Beschlüsse. Unser Papier ist Umweltpapier und wir sparen mit dem CO2 neutralen, elektronischen Versand. Wenn wir nun unsere Baugebiete in Bezug auf Rohstoffverbrauch, künftigen Energieverbrauch und grünflächenorientierter Planung wie gehabt verbessern, dann sind viele unserer möglichen Hebel schon bewegt. Im Gemeindegebiet wird bereits an einer Fläche großflächig Solarstrom produziert, eine zweite Fläche ist in Planung. Also auch ohne Beschluss des Klimanotstandes oder einer Klimaoffensive –die konsequente Umsetzung der Ziele ist dann die weitere und hochwichtige Daueraufgabe!

 

Wenn man selber versucht als Vorbild dazustehen, möchte man einen Appell an unsere Bürger richten:

Auch Sie können viel bewegen! Angefangen mit dem achtlos „auf die Straße“ geworfenen Bonbonpapier oder schlimmer, der „Kippenstummel“, anstatt und eigentlich selbstverständlich dies in den Mülleimer zu werfen. Besser noch hin zur Vermeidung von Müll, z.B. durch Nutzen von Mehrwegangeboten. Auch eine Überlegung, welches Obst ist wie weit gereist? Ist es das echt wert, oder isst man wieder häufiger saisonale Angebote aus der Region? Wieviel Trinkwasser gieße ich in meinen Garten, oder denke ich über Regenwassernutzung mittels einer Gartenzisterne nach? Ist meine Heizung noch „uptodate“ – wie kann ich hier nachsteuern? Aktuell werden Modernisierung von Heizungsanlagen finanziell gefördert – meist gehen neben den Schademissionen auch der `Verbrauch deutlich runter – dann rechnet sich so etwas. Die Energiewende ist gleichzeitig auch eine Wärmewende – denn in unseren Breiten geht in den Wintermonaten viel Energie für Wärme in die Heizungen. Auch die Stromherstellung mittels Photovoltaik zum Eigenverbrauch rechnet sich: es gibt eine neue bayerische Förderung von bis zu 3200.-€ pro private Anlage und extrem günstige Finanzierungen. Die Investition deutlich unter 20.000,-- € machen einen vierköpfigen Haushalt mit Photovoltaik kombiniert mit Speichertechnologie in den Sommermonaten fast komplett unabhängig vom Netzstrom und in der Übergangszeit hilft es auch die Stromkosten deutlich zu reduzieren. Bei den aktuellen Zinsen lohnt sich der Modernisierungsgedanke zuhause in die eigenen vier Wände immer. Auch die Mobilität steht in der Prüfung, wieviel muss ich fahren – wann kann ich mal Laufen oder Radeln? Lohnt sich der ÖPNV? Mit diesen Themen lässt sich sicherlich in vielerlei Hinsicht deutlich mehr bewegen als bisher. Wir werden hier „auf dem Land“ nicht von den Vorteilen der Elektromobilität „überrollt“ werden - alleine aufgrund der unterschiedlichen Fahrtstrecken, der Weite der Pendelstrecken und auch unserer Witterungslage ist dies nicht für alle Fahrtstrecken und Pendlertypen geeignet. So wird auch der ÖPNV nicht alle Mobilitätsansprüche übernehmen können, aber die Kombination aller dieser Themen – von der Fahrgemeinschaft über gezieltes Nachdenken unseres alltäglichen Handelns können wir eine deutliche Verbesserung unserer eigenen Umweltbilanz erreichen. Seien wir alle Vorbild - wir im Rathaus versuchen das, das Gremium unterstützt und sie können dies auch! Nicht Klimanotstand und übertriebene Klimahysterie, sondern nennen wir ein wenig christlicher geprägt:

Wir benötigen wieder ein wenig mehr Schöpfungsaufmerksamkeit!

Frank Pitterlein

Erster Bürgermeister

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