Die Volksfrömmigkeit im fränkischen Landleben des 18. und 19. Jahrhunderts war stark von katholischer Tradition, regionalen Bräuchen und einer tief verwurzelten Alltagsreligiosität geprägt. Die Sammlung Schnaittach besitzt eine Vielzahl von Artefakten, die ein mannigfaltiges Bild dieser gelebten Religiosität im Alltag vermitteln.
Dazu gehört etwa das kleinformatige, Mitte des 18. Jahrhunderts entstandene Andachtsbild, das das traditionelle Motiv der Krönung Mariens zeigt. Es ist in Gouachefarben auf Papier gemalt und auf Holz geklebt. Bei der feinen Malerei dominieren die Farben rot, blau und weiß. Gottfried Stammler hat das Bild 1930 von einem Michael Singer aus Lilling für 100 Mark erworben. Ein vergleichsweise hoher Preis, wenn man bedenkt, dass dem Heimatmuseum Schnaittach in diesem Jahr 200 Mark vom Freistaat Bayern und 50 Mark vom Kreis Mittelfranken zur Verfügung gestellt wurden (G. Stammler, Museumschronik).
Die typische Darstellungsweise der Krönung Mariens in Gemälden folgt einer festen ikonografischen Tradition, die sich in Franken – besonders in der Barockzeit – weit verbreitete. In den kleineren Votivbildern und Andachtsgrafiken orientierte man sich an kunsthistorischen Vorbildern, denn das Motiv an sich gab es bereits seit dem 12. Jahrhundert in der Kunst.
Die Krönung der Mutter Gottes zur Himmelskönigin wurde durch Papst Pius XII. 1954 als Dogma erlassen und gehört seitdem zum katholischen Glaubenskanon. Ihr Fest wird am 22. August unter dem Namen Mariä Himmelfahrt gefeiert. Auf dem Bild wird die Krönung Mariens nach ihrer Himmelfahrt von der Hl. Dreifaltigkeit vollzogen. Die zentrale Bildkomposition zeigt Maria in einem blauen Mantel und Sternenkranz mittig in den Wolken kniend, die Hände gefaltet. Ihr Blick, der sog. “Himmelnde Blick“, von Raffael in die Kunst eingeführt, geht nach oben zu Gottvater, der in festlichen blauen Ornat, in der einen Hand die Herrschaftsattribute Weltkugel und Zepter, in der anderen Hand die Krone für Maria hält. Sein Heiligenschein ist ein die göttliche Natur betonendes Dreieck. Zur linken hält der auferstandene Christus die Krone. Mit dem Kreuz auf seiner Schulter verweist er auf den Opfertod durch den er die Menschen und auch seine Mutter von allen Sünden erlöst hat.
Oben schwebt die Taube als Verkörperung des Heiligen Geistes. Auf dem Inventarblatt von 1948 steht in unverblümter Weise: „sie ist am schlechtesten weggekommen, denn sie sieht einem Huhn ähnlich“. Eine Glorie aus Lichtstrahlen hinterfängt die Szenerie. Präsentiert wird das Bild in einem volkstümlichen Barockrahmen mit gekerbtem Eckprofil nach vorne versetzt, der typisch für sakrale Andachtsbilder im 18. und frühen 19. Jahrhundert ist.
© Dr. Nicole Brandmüller-Pfeil

















